Jugendfanfarenzug besteht seit 55 Jahren, muss jedoch schwer um Nachwuchs werben

BAD BELZIG – „Wir sind eine große Gemeinschaft“, sagen Burghard Bothe und Kathrin Koltzenburg über den Bad Belziger Fanfarenzug. Seit 55 Jahren gehören die Auftritte der Musiker im Alter von 8 bis 30 Jahren zum Hohen Fläming und darüber hinaus. Sogar am Brandenburger Tor in Berlin waren die Fanfaren und Trommeln aus der Kur- und Kreisstadt bereits zu hören. Zudem geben sie seit Jahren sowohl der Burgfestwoche als auch dem Altstadtsommer einen würdigen Rahmen.

Am 1. September 1956 schlug die Geburtsstunde des Ensembles. Lehrer Siegfried Schmidt schrieb über den ersten Auftritt des Ensembles in die Schulchronik: „Mit dem Klingelzeichen um 8 Uhr beginnt ein neues Schuljahr. Im Hof haben 14 Klassen und 17 Lehrer um den Fahnenmast Aufstellung genommen, um in würdiger Form das neue Schuljahr zu eröffnen. Mit dumpfem Trommelwirbel und den schmetternden Rufen der Fanfaren steigt die Fahne am Mast empor.“

Der Pädagoge unterrichtete zu jener Zeit an der Mittelschule I (heute Fläming Gymnasium), welche mit Beginn des Schuljahres 1956/57 aus der Zentralschule für Knaben hervorgegangen war. Den Grundstein für die Musikgemeinschaft legten jedoch Horst Leo und Heinrich Leipnitz. Die zwei Lehrer haben die Gruppe, die anfangs nur aus Jungen bestand, während der Sommerferien aufgebaut. Erst zwei Jahre später gesellten sich, durch die Vereinigung der beiden bestehenden Mittelschulen, die ersten Mädchen dazu.

Während zu DDR-Zeiten hauptsächlich Arbeiter- und Kampflieder einstudiert wurden, beherrschen die Musiker heute neben traditionellen Märschen auch Showtitel. „Sie können sogar Rock ’n’ Roll spielen“, so Kathrin Koltzenburg. Immer öfter werde der Zug zum Überbringer von Geburtstagsständchen geordert.

Das äußere Erscheinungsbild hat sich ebenfalls gewandelt. Während die Uniformen anfangs aus Pionier- und FDJ-Kleidung bestanden, wurde die später rot-weiße Garderobe anlässlich des 40-jährigen Bestehens 1996 gegen die Stadtfarben grün-weiß eingetauscht.

Vor 20 Jahren begann jedoch eine schwierige Zeit. „Damals drohte die Auflösung“, erinnert sich Burghard Bothe. Die beiden Vorstandsmitglieder blättern dabei in der dicken Chronik. Im Interesse der Kinder und Jugendlichen sprangen sie und weitere Engagierte ein, retteten die Musikergemeinschaft. „Dabei können wir beide gar kein Instrument spielen“, so der 58-Jährige. Seine Mitstreiterin fügt hinzu: „Wir sind aber mittlerweile soweit Fachmann und -frau, dass wir hören, wenn falsch gespielt wird.“ Obgleich einige ihrer Kinder dem Fanfarenzug „entwachsen“ sind, wollen sie ihm die Treue halten und insbesondere die Nachwuchsgewinnung im Auge behalten.

Im Januar erhielt die Gemeinschaft den erstmals verliehenen Förderpreis der Stadt Bad Belzig. Mit dem Geld konnten endlich neue Trommeln gekauft werden. „Die Instrumente verschleißen sehr schnell und müssen immer der Größe der Kinder angepasst werden“, erklärt Bothe.

Obgleich die Vereinskasse dringend auf Einnahmen angewiesen ist – für die Nutzung der Proberäume wird Miete an die Stadt gezahlt – werden die Auftritte im Rahmen der traditionellen Burgfestwoche stets kostenlos absolviert. Das Manko potenziert sich freilich: „Mitte der 1990er Jahre hatte der Verein fast 100 Mitglieder. Damals wurden bis zu 40 große Auftritte pro Jahr absolviert. Heute sind es noch 10.“ Indes zählt der Verein knapp 30 aktive Mitglieder, von denen etwa 20 auftrittsfähig sind. Ein Entgegenkommen der Kommune könnte für Entlastung sorgen. Wegen Geldsorgen soll die Traditionstruppe jedenfalls nicht aufgeben müssen, finden nicht nur die beiden. (Von Bärbel Kraemer)

Proben am Freitag:

Kinder ab acht Jahre können beim Fanfarenzug mitspielen.

Geprobt wird freitags, 17.30 Uhr. Im Winter in der Albert-Baur-Halle, im Sommer im Freien. Bei Regen unter dem Vordach der Mehrzweckhalle. Der Nachwuchs übt im Turnraum der Tagesstätte „Tausendfüßler“ im Klinkengrund.

Gespielt wird auf Naturfanfaren. Das heißt: Es gibt nur acht Töne der normalen Es-Tonleiter.

Der Zug ist in drei Stimmen aufgeteilt und wird von einem Schlagwerk mit Tom-Toms und Flachtrommeln begleitet und unterstützt.

Märkische Allgemeine Zeitung 31.08.2011 / Bärbel Kraemer
http://www.maerkischeallgemeine.de

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